Spätestens seit der Vorstellung des SDK 3.0 für das iPhone und den iPod Touch habe auch ich ernsthaft begonnen darüber nachzudenken, mal den Versuch zu wagen, ein Programm für das iPhone zu schreiben. Warum?
Zum einen, weil ich als interessierter und passionierter iPhone-Nutzer einfach gespannt bin, was hinter der Entwicklung eines kleinen Programms für Arbeit steckt. Viele Entwickler stecken viel Arbeit in die Entwicklung eines Programmes, und stellen dieses dann kostenlos in den App-Store. Bestes Beispiel für mich: Die Applikation “Fahrplan”. Tolles Programm mit tollen Funktionen, hinter denen sicherlich ein nicht zu unterschätzender Entwicklungsaufwand steckt – aber trotzdem bietet es der Programmierer kostenlos an!
Zum anderen interessiert mich einfach der ganze Ablauf hinter einem solchen Projekt. Das eigentliche Programmieren ist sicherlich nur ein Teil des ganzen Aufwands, wenn man ernsthaft daran denkt, das Programm nicht nur alleine zu nutzen, sondern auch anderen zur Verfügung zu stellen, ja vielleicht sogar gegen ein geringes Entgelt in den App-Store zu stellen.
Die Idee
Gesagt – getan! Mich reizt also vor allem die konzeptionelle Seite des Projekts, das eigentliche Programmieren stand für mich anfangs gar nicht im Vordergrund. Am Anfang sollte natürlich immer eine Idee stehen. Ich habe schon länger eine Applikation gesucht, welche es mir erleichtert meinen Uni-Alltag zu organisieren. Also quasi ein Programm, welches alle wichtigen Informationen zu einer Veranstaltung abspeichern, verwalten und hübsch und praktisch aufbereiten kann. Wenn ich also eine neue Veranstaltung, beispielsweise eine Vorlesung, besuche, dann möchte ich anfangs Daten wie Veranstaltungstermine, Link zum Skript, Benutzername/Passwort für das Skript, zugehörige Seminare/Tutorien mit den entsprechenden Terminen, Ansprechpartner, usw. … einpflegen, und später sinvoll aufbereitet wieder abrufen können. Soweit alles keine große Hexerei, wofür man ein extra Programm für das iPhone benötigen würde, zumal es schon einige Apps gibt, welche sich dieser Problematik widmen.
Für mich stellt sich aber zum Anfang einer Woche immer die Frage: welches Tutorium/Seminar/Übung zu einer Vorlesung besuche ich? Meistens kann ich zwischen einer Vielzahl von möglichen Terminen wählen und diese Möglichkeit nehme ich gerne wahr, da jede Woche natürlich auch noch andere Sachen anstehen, außer in der Uni rumzuhocken.
Mit einem speziellen Programm für das iPhone könnte ich nun zum Wochenanfang, bzw. zeitnah jeweils auswählen, welche der möglichen Termine zu den jeweiligen Veranstaltungen ich wahrnehme und diese mir dann vom Programm in den Kalender des iPhones einpflegen lassen.
Was soll dabei herausspringen?
Soviel zur Grundidee. Natürlich möchte ich keine 99$ für die Entwickler-Lizenz und einen Haufen Arbeit in das Projekt investieren, und dann das Programm alleine nutzen. Nein, vielmehr dachte ich natürlich auch im nächsten Schritt daran, das ganze dann im App-Store feil zu bieten. Wenn ich schon einmal den ganzen Aufwand betreibe, dann soll dabei wenigstens noch etwas Geld bei rausspringen! Und damit kommen wir zum interessanten Teil.
Denn damit stelllt sich die Frage: Würde überhaupt jemand bereit sein etwas dafür zu bezahlen? Und wenn ja, was genau erwartet er dann von dem Programm, wie sieht die optimale Preisgestaltung aus, etc. … Für mich als Student der Wirtschaftswissenschaften alles sehr interessante Fragen!
Was gibt es alles zu tun?
Sobald man sich überzeugt hat, dass sich die ganze Sache auch halbwegs lohnen könnte, gehts an die wirkliche Arbeit! Wie war das nochmal mir dem Programmieren? Ahja: Analyse, Entwurf, Implementierung! Die Analyse des Problems hab ich oben schon in etwa angerissen, also sind wir schon beim Entwurf. Eine grobe Vorstellung, was das Programm machen soll, habe ich ebenfalls oben schon skizziert, also können wir ja fast schon anfangen den Code zu schreiben!
Halt, das geht jetzt alles ein bisschen zu schnell! Denn – auch wenn das Programmieren vielleicht mehr Spaß macht und erst einmal verlockend klingt – so weiß ich, dass ein sehr detaillierter und ausgereifter Entwurf sehr viel effizienter ist und die benötigte Zeit für die Implementierung um einiges verkürzt. So gesehen sollte die Entwurfsphase den größten, oder zumindest einen Großteil der Zeit in Anspruch nehmen.
Wenn jedoch das ganze dann einmal entworfen und später auch in ein fertiges Programm gegossen wurde, gilt es dann soviel wie möglich davon an den Mann zu bringen! Wie kann man nun als kleiner Unbekannter App-Store-Entwickler sein Programm bekannt machen? Bei täglich unzähligen neuen kostenlosen bzw. 1$-Applikationen geht man zwangsläufig in der Masse unter. Eine kostenneutrale Marketing-Strategie wäre, die Zielgruppe für das Programm auf Plattformen außerhalb des App-Stores gezielt anzusprechen.
Die Zielgruppe kann relativ klar abgesteckt werden: Studenten mit iPhone oder iPod-Touch im deutschsprachigen Raum. Wie groß ist meine Zielgruppe und damit mein Verkaufspotential? Keine Ahnung, solche Fragen sollten aber sicherlich noch im Vorfeld geklärt werden, denn sie sind entscheidend für den finanziellen Erfolg des Projekts. Wie erreiche ich meine Zielgruppe? Wahrscheinlich am günstigsten über die Foren in einschlägigen Plattformen wie StudiVZ, Facebook, etc. Denn größere Werbeaktionen gehen dann eindeutig über das zur Verfügung stehende Budget für das ganze hinaus!
Alles gar nicht so einfach
Alles in allem muss man bei der Entwicklung einer Applikation für den App-Store mehr bedenken als ich mir im ersten Moment gedacht hatte – aber, um es mit den Worten eines Motivationstrainers auszudrücken: es gibt ja schließlich keine Probleme, sondern nur Aufgaben, die es zu lösen gilt! Doch Aufgaben, die ich neben meinem Studium und mit den damit verbundenen begrenzten (zeitlichen/finanziellen) Möglichkeiten nicht bewältigen kann, sind für mich nun mal unmögliche Aufgaben. Um von Anfang zu schauen, dass das ganze nicht an solchen Sachen scheitert, hab ich mich schon mal kurz auf die Suche noch möglichen Kandidaten für diese Aufgabenkategorie gemacht. Und siehe da – ich bin sehr viel schneller fündig geworden als gedacht!
Als erstes habe ich mich in den App-Store begeben um nachzuschauen, wie das Angebot der Konkurrenz aussieht. Das ernüchternde Ergebnis: Besser als gedacht! Als ich mich das letzte Mal nach Programmen umgesehen hatte, die mir den Uni-Alltag erleichtern könnten, waren Programme dieser Art noch sehr dünn gesäht und offenbar noch nicht sehr ausgereift. Doch mittlerweile hat sich dies geändert und es stehen doch einige zum Teil anscheinend auch recht anständige Programme kostenlos oder für ein geringes Entgelt zum Download bereit. Nach genauem hinsehen muss ich aber sagen, dass keines die Funktionen bereitstellen kann, die mir vorschweben, und bestenfalls eine “Notlösung” für den Studienalltag darstellen.
Trotzdem gilt es einen deutlichen Entwicklungsvorsprung der Konkurrenz aufzuholen, um mit um Downloads buhlen zu können. Das ich bisher keinerlei Erfahrung mit Programmierung für Apple-Plattformen, geschweige denn für das iPhone mitbringe, gestaltet die Sache nicht unbedingt einfacher. Kann ich überhaupt ein Programm fürs iPhone schreiben? Die Marketing-Leute von Apple publizieren immer wieder, dass die Entwicklung von Apps fürs iPhone kinderleicht sei, selbst wenn man noch keine Erfahrung auf Apple-Plattformen gesammelt hat. Zudem soll alles ratz-fatz gehen, das sollte auf den ersten Blick also kein Problem sein.
Bei etwas genauerem Hinsehen jedoch, ich habe erst mal kurz einen Blick auf ein Tutorial bei iphone-notes.de geworfen, scheint die Sache dann aber doch etwas aufwendiger zu sein als gedacht! Hätte ich mir eigentlich auch denken können, schließlich geht es hier nicht darum einem LEGO-Roboter beizubringen durch die Gegend zu fahren, sondern um ein Programm für eines der – meiner Meinung nach – innovativsten Smartphones auf dem Markt zu entwickeln. Letztendlich könnte man sich natürlich auch noch jemanden mit ins Boot holen, der in Sachen Programmierung etwas mehr Erfahrung mitbringt als ich, der aber auch gerne ein paar neue Erfahrungen auf dem iPhone sammeln möchte.
Auf jeden Fall habe ich mich gleich einmal kostenlos beim Apple Developer Program registriert (habe also noch keine 99$ hingeblättert, kann damit aber auch keine Applikationen auf dem iPhone installieren, geschweige denn für den App-Store einreichen), und bin nun gerade dabei, mir die 1,75 GB große Entwicklungsumgebung zu laden. Ein Blick da hinein zuwerfen kann sicherlich nicht schaden!
Zu guter Letzt entscheidet aber auf jeden Fall die Nachfrage der Kunden, und wieviel Geld sie dafür ausgeben wollen über den finanziellen Erfolg eines solchen Projekts. Ob’s funktioniert – wer weiß das schon? Aber trotz der 99$-Hürde beim Einstieg bin ich aber mittlerweile geneigt die Herausforderung anzunehmen. Denn selbst wenn ich keine einzige App verkaufen sollte – ich denke der Spaß und die Erfahrungen die man dabei sammeln kann sind die Sache vielleicht auch so wert! Und einem kleinem Test des neuen OS 3.0 würde ich mich natürlich auch nicht verwehren …
FAZIT für mich: Ich werde die Sache also erst mal weiter verfolgen – mal schauen was am Ende dabei herauskommt.
P.S.: wichtige Frage die ich erst mal außen Vor gelassen habe: Kann ich die angestrebten Funktionen, sprich: Erstellen von Kalender-Einträgen durch mein Programm, überhaupt innerhalb der Grenzen des SDK 3.0 realisieren? Ich werde es wohl noch herausfinden!